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Unser Verein hat die Genehmigung nach §11 Abs.1 Nr.5 TierSchG erhalten.
 

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Die Tierschutzsituation in Irland PDF Drucken E-Mail

Wer kann sich schon in Deutschland vorstellen, daß nur wenig mehr als eine Flugstunde entfernt von uns die Einschätzung von Hunden (und anderen Tieren) so grundverschieden von der unserigen ist?

Wir veröffentlichen hier zwei Berichte, die zum Nachdenken anregen sollten:

 

Beatrix Urban: Die Situation in Irland

Die Tierschutzsituation in Irland ist denkbar schlecht. Nicht deshalb, weil hier mehr Hunde als in anderen Ländern gequält werden; oder nicht deshalb, weil strikte Hundeverordnungen die Hundehaltung schwierig gestalten, sondern weil die irische Bevölkerung ein gespaltenes Verhältnis zu Tieren hat. Einmal gibt es das Nutzvieh. Für Nutzvieh gibt es Subventionen, Nutzvieh ist wertvoll, Nutzvieh bringt Geld.

Dann gibt es Hunde – es gibt Halter, die hohe Ambitionen für ihre Tiere haben, Züchter und Aussteller; weiter gibt es Hunde, die ihren Lebensunterhalt verdienen, wie Jagdhunde, die meist nur saisonbedingt arbeiten, also 3 Monate im Jahr und für den Rest der Zeit weggesperrt werden; Working Sheepdogs, also “unsere Collies”; Windhunde, die auf der Rennbahn ihren Unterhalt verdienen müssen. Weiterhin gibt es Hunde, die dem Menschen keinen Nutzen bringen, also reine Haushunde.

Egal in welche Kategorie ein Hund fällt, sobald er seinem Menschen keinen wirtschaftlichen Vorteil bringt und bzw. oder im Gegenteil lästig wird, muss er weg und für billig Geld wird ein neuer angeschafft. Dieser irischen Mentalität kommt der irische Staat entgegen, indem er die Einrichtung von sogenannten Dog Pounds ermöglicht. Dies sind Tier-Auffangstätten, in denen man seinen nicht länger erwünschten Hund abgeben kann, damit er auf Staatskosten eingeschläfert wird. Streunerhunde können dort ebenfalls abgegeben werden, ihnen werden 5 Tage Zeit eingeräumt, um vermittelt oder durch ihre Halter aufgefunden zu werden. Danach gibt’s die Spritze (die letzten Bolzenschussgeräte sind vor 2 Jahren entfernt worden). Viele Collies oder Windhunde erleben nicht einmal diese 5-Tagesfrist, weil diese Art Hunde in Irland als unvermittelbar gilt.

Hier ein kleiner Film, der einen Einblick in die Lage gibt.

Unfassbar für Hundefreunde, die sich mal mit Collies oder Windhunden beschäftigt haben, die Collies haben weltweit einen hervorragenden Ruf, leicht trainierbar zu sein; die Windhunde sind pflegeleicht, weil sie in der Regel ein niedriges Indoor- und ein hohes Outdoor-Aktivitätslevel haben, das 2-3 Mal am Tag 10 Minuten lang anhält und somit sogar gut für Wohnungshaltung geeignet sind. Aber so ist das wohl, andere Länder – andere Sitten, denn hier auf den britischen Inseln sind Staffordshire Bull Terrier unter den beliebtesten Familienhunden zu finden.

Die Pounds haben in der jüngsten Vergangenheit angefangen, aktiver mit den hiesigen Tierschutzgruppen zusammenzuarbeiten und ihnen geeignete Tiere für die Vermittlung ausgehändigt. Nun hat ein Pound einen beängstigenden Trend angefangen, von dem wir hoffen, dass er im Ansatz erstickt werden kann: der Pound berechnet JEDEM, der einen Hund abholt, EUR 25 für Hunde, die nicht geimpft, nicht entwurmt, nicht medizinisch versorgt worden sind und binnen der gesetzlichen 5 Tage noch nicht einmal die Inkubationszeit für ansteckende Krankheiten hinter sich gebracht haben, vorausgesetzt der Interessent kann eine Halterlizenz der Stadtverwaltung Dublin oder Kreisverwaltung Meath vorzeigen, falls nicht, fallen EUR 38 an.

Wenn wir dann die Tatsache mit berücksichtigen, dass Farmersfrauen ermuntert werden, ruhig Hunde zu “züchten” – und wir reden hier von Hunden, die nie im Haus leben, die in einer Scheune geboren werden und dort aufwachsen, geschweige denn veterinär-medizinische Behandlung erfahren – um das Familieneinkommen aufzustocken. Ein Witz? Mitnichten. Die sog. Irish Dog Breeders Association will, dass sogar noch mehr Hunde produziert werden. Irland besitzt weiterhin die Einzigartigkeit, innerhalb der EU das einzige Land zu sein, in dem sogenannte Puppy-Farms gestattet sind, also Farmer massenweise Welpen produzieren; es geht hier nicht um Hundehändler, die von “Hobbyzüchtern” Hunde aufkaufen, um sie an den Mann zu bringen, sondern Farmer, die – wie im Fall der wohl grössten Hundefarm Europas, die etwa 10 km von mir entfernt ist – zu jedem beliebigen Zeitpunkt 300 – 400 trächtige oder säugende Hündinnen jeder populären Rasse am Hof haben. “Gottseidank” gehen die meisten dieser Hunde nach England in den Verkauf.

Die Situation ist kaum mehr in den Griff zu bekommen; trotz vereinter Bemühungen der hiesigen Tierschutzgruppen in Verbindung mit dem Haustierarzt-Verband VICAS, mit finanzieller Unterstützung in zwei Jahren, in denen grossangelegte Kampagnen zum Kastrieren der Hunde und der Vermeidung weiterer ungewünschter Welpen gefahren wurden, in denen Kastrationen zu 1/3 des regulären Preises (1/3 hat die beteiligte Tierschutzorganisation getragen, 1/3 der Halter und der Tierarzt hat auf 1/3 seiner Gebühren verzichtet), ist von diesem Angebot kaum Gebrauch gemacht worden; landesweit haben keine 2.000 Halter an der Kampagne (Spayweek) teilgenommen.

Zur Veranschaulichung: Irland ist ein kleines Land von der Fläche Bayerns und hat knappe 4 Millionen Einwohner. Noch 2003 sind über 20.000 Hunde in den Pounds eingeschläfert worden. Im Vergleich dazu hat das etwa gleich grosse Schottland mit 5 Millionen Einwohnern im gleichen Zeitraum etwa 800 (in Worten: acht-hundert) Hunde einschläfern lassen. Das heisst, dass die Iren etwa 30 Mal schlimmer sind. Informationstage in Schulen, bei den Farmer-Organisationen stossen auf leidlich-freundliches Interesse, aber in der Regel taube Ohren. Die Breed Clubs – also die Züchter-Vereine, die dem Irischen Kennel Club angehören, der dem FCI angeschlossen ist – helfen ab und an bei der Vermittlung eines Hundes mit Stammbaum aus.

2000 gab es etwa 2 Dutzend Tierschutzorganisationen, die vom Landwirtschaftsministerium einen Zuschuss am Jahresende erhalten haben, um ihre Arbeit fortsetzen zu können, 2003 waren es über 60 und 2004 standen über 80 solcher Organsiationen auf der Liste. Trotzdem hat sich die Zahl der eingeschläferten Hunde nicht in dem selben Verhältnis nach unten bewegt; es sollten laut Ratio 4 x weniger sein. Die Zahl für 2000 lautet etwa 38.000 Hunde, teilen wir dies durch 4, sollten wir bei etwa 9.500 angekommen sein. Die Zahlen für 2004 sind noch nicht verfügbar, aber die 2003er Zahl (über 20.000) spricht Bände.

NICHT enthalten in der Zahl der getöteten Hunde ist die Anzahl für den Rennsport als nicht tauglich erachteter Windhundwelpen, die “entsorgt” werden; Schätzungen gehen von etwa 14.000 Welpen aus; in dieser Zahl sind ebenfalls nicht die unendlich vielen Ex-Rennbahnhunde enthalten, die nach Spanien oder Korea verkauft werden, um dort nach 1-2 Rennen dennoch “entsorgt” zu werden. Gegen einige der Puppyfarms wurde 2004 vorgegangen, bei denen die Zustände allzu schlimm waren. Glücklicherweise handelte es sich bei fast allen um Farms, die kleine Hunde produziert haben, die relativ schnell vermittelt werden konnten. Etliche Dutzend Dackel sind nach Nordirland gekommen, weil in der Republik kein Platz für sie vorhanden war. Die “Züchter” erhalten eine Verwarnung, eine kleine Geldstrafe und das wars.

Eine grössere Aktion zum Anfang diesen Jahres hat dem ISPCA, dem Dachverband der organisierten Tierschutzgruppen, einen Rüffel eingebracht. Die Kosten der Aushebung einer Puppyfarm, die anschliessende medizinische Versorgung und Unterbringung der weggeholten Hunde lag um die EUR 10.000, der “Züchter” wurde vor Gericht gebracht. Der ISPCA hatte den Antrag gestellt, dass die Versorgung der von diesem Menschen produzierten Welpen teilweise an den ISPCA zurückerstattet werden sollte. Der Antrag wurde abgelehnt mit einer Warnung des Richters: “Wenn Ihr solche Aktionen finanziell nicht tragen könnt, dann lasst sie in Zukunft bleiben”.

Fehlinformation einer überwiegend ländlichen Bevölkerung mit oftmals einhergehendem Bildungsdefizit macht sich nicht nur in Hundekreisen breit: für dieses Jahr sind Lizenzen zum Töten von über 20.000 Dachsen ausgeteilt worden, weil sie angeblich Rinder-TB verbreiten (Studien in Grossbritanien haben belegt, dass auch in dachsfreien Gegenden die Rinder an TB erkranken – weil die Farmer ihre Rinder nicht gegen Tuberkulose impfen); in einem Nationalpark sollen 800 Stück Damwild getötet werden, weil es sich zu schnell vermehrt und es im letzten Jahr Autounfälle mit Wild gegeben hat; irlandweit werden nächtens Robben abgeschlachtet, weil diese angeblich die Fischgründe abfischen – nicht die spanischen oder portugisischen Fischereiflotten mit ihren Schleppnetzen, deren Schrottkähne regelmässig auf die Klippen auflaufen.

Die irischen Tierschutzgruppen (etwas über 80) haben zum Ende 2004 von dem Landwirtschaftsministerium Zuschüsse von insgesamt EUR 1 Million erhalten. Dagegen hat der irischen Rennsportverband – Pferde und Windhunde – für die nächsten 4 Jahre ein Finanzierungspaket in Höhe von EUR 269 Millionen erhalten.

 

 
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